Schlüpfender Gecko

Ei, Ei, Ei — Lege-Alarm bei Schildkröte, Gecko & Co.

Dank den Hühnern weiß jeder, wie ein Vogelei aussieht. Doch nicht nur die Hühner nutzen Eier zur Produktion ihres Nachwuchses. Vielmehr ist das „Eierlegen“ sogar die meistverbreitete Fortpflanzungsmethode im Tierreich. So vermehren sich nicht nur Insekten bzw. Arthropoden, Schnecken & Muscheln oder sonstige niedere Tiere über Eier, auch viele Wirbeltiere wie beispielsweise Fische — und auch Amphibien und Reptilien.

Generell bestehen Eier aus Eiweiß, Eigelb und dem Keimfleck auf dem Eigelb, aus dem später der Embryo entsteht. Bei Vogeleiern ist das Eigelb an zwei Chalazen (Hagelschnüren) aufgehängt, die das Eigelb immer schön in der Mitte des Eiweißes halten. Diese Hagelschnüre kennt man vom Frühstücksei. Dank dieser Aufhängung schadet regelmäßiges Drehen einem Vogelei nicht, es ist sogar notwendig, damit das Ei beim Brüten gleichmäßig gewärmt wird. Aus vielen Naturfilmen kennt man dieses „Umsortieren“ der Vogeleltern im Nest.

Nicht bewegen!

Anders ist es bei Reptilieneiern: Hier gibt es keine Chalazen. Das Amnion (auch Schafshaut genannt), ein Eiweißsack, in dem der Embryo heranwächst, ist leichter als das Eiweiß. Es steigt daher im Ei auf und verklebt dann mit der oberen Wand des Eis. Wird ein Reptilienei dann später gedreht, droht das Amnion abzureißen und Schaden zu nehmen. Darum dürfen die Eier bei Reptilien nicht gedreht werden, sondern müssen stets in der Orientierung der Auffundsituation bleiben.

Ein weiterer Unterschied zum Vogelei liegt in der Schale: Reptilieneier haben keine harte Kalkschale, sondern sind eher lederartig, wobei die Härte der Schale mit zunehmendem Alter des Eis zunimmt.

Wohin mit dem (zukünftigen) Nachwuchs?

Wenn Du Reptilien hältst, kannst Du in die Situation kommen, dass ein oder gar mehrere deiner Tiere Eier legen möchte (bzw. muss). Es ist daher wichtig, dass Du spätestens dann für artgerechte Eiablagebedingungen sorgst! Dazu entscheidend ist vor allem das angebotene Bodensubstrat. Es muss eine für die Eier geeignete Konsistenz haben und in großzügig bemessener Füllhöhe vorhanden sein. Auch die Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen müssen die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Dazu ist es wichtig, sich über die genauen Ansprüche der gehaltenen Reptilienart genau zu informieren.

Insbesondere in engen oder überfüllten Gehegen kann keine ruhige Eiablage erfolgen. Abgesehen, dass eine Tierhaltung unter zu geringem Platzangebot oder mit zu hohem Besatz eh nicht tiergerecht ist: Für die Eiablage benötigt dein Tier besonders viele Ruhe. Es kann daher vorteilhaft sein, es für eine ungestörte Eiablage vorübergehend in Einzelhaltung zu nehmen.

Zur Eiablage selbst benötigt das Muttertier dann nicht nur je nach Art unterschiedliche Bedingungen. Ach das einzelne Tier hat gern mehrere Möglichkeiten zur Ablage seiner Eier zur Auswahl. Deine Aufgabe ist es also, mit dem Angebot in deinem Terrarium den „Vorlieben“ deines Muttertieres gerecht zu werden.

Für viele Echsen hat sich als Ablageort eine undurchsichtige Kunststoffdose mit Öffnung bewährt, die mit einem leicht feuchten Torf-Sand-Gemisch gefüllt ist. Solch eine Dose kannst Du dir beispielsweise aus einer leeren Eispackung herstellen, indem Du eine Ecke des Deckels herausschneidest.

Schlangen dagegen legen ihre Eier gerne unter flache Rindenstücke in das feuchte Substrat oder in mit Moos ausgelegte verschlossene Blumentöpfe. Schildkröten wiederum bevorzugen Sandhügel.

(Werdende) Mütter brauchen mehr…

Die Produktion und auch die Eiablage fordert den Weibchen einiges ab. So besteht in den Wochen vor der Eiablage beispielsweise ein deutlich erhöhter Bedarf an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Durch die Eiproduktion wird vermehrt Kalzium verbraucht, wodurch es beim Muttertier zum Kalziummangel kommen kann. Dies kann dazu führen, dass dem Tier am Ende die nötige Kraft für die Eiablage fehlt. Sorge deshalb unbedingt für die ausreichende Zufuhr der nötigen Mineralien und auch Vitamine, wenn Du merkst, dass eines deiner Weibchen trächtig sein könnte.

Geht alles glatt, wird die „werdende Mutter“ direkt vor der Ablage ihrer Eier einige „Probegrabungen“ durchführen und die Nahrungsaufnahme einstellen. Kurz darauf sollten die Eier gelegt werden.

Höchste Gefahr: Legenot

Die Hauptgefahr rund um die Trächtigkeit ist die gefürchtete Legenot (Dystokie). Diese bedeutet eine akute & konkrete Gefährdung für das Leben deines Tieres, darum gilt es alles zu tun, diese Gefahr zu vermeiden!

Optimierte Legebedingungen bezüglich Substrat, aber auch die richtige Temperaur und Luftfeuchtigkeit schützen und unterstützen deine Weibchen beim Legen. Timer Controller helfen bei der Steuerung der optimalen Umweltbedingungen im Terrarium.

Bei einer Legenot verbleiben die produzierten Eier im Körper des Weibchens und dieses schafft es nicht, die Eier herauszubringen. Dies ist mittels Röntgenbild gut diagnostizierbar.

In der Folge wird das Tier krank, oft verstirbt es auch daran. Wird eine Legenot früh genug erkannt, kann oft bereits eine medikamentöse Behandlung, beispielsweise mit Hormonen, helfen. Klappt dies nicht, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.

Es ist darum ganz entscheidend, dass Du eine Legenot bereits in der Frühphase erkennst und das betroffene Tier dann schnellstmöglich einem entsprechend erfahrenen Tierarzt vorstellst. Legenot bedeutet eine große Qual für die betroffenen Tiere!

Das Problem der Legenot kommt vor allem bei Schildkröten und Echsen vor, nur selten bei Schlangen (hier am ehesten bei Kornnattern). Besonders häufig sind Wasserschildkröten von Legenot betroffen, da in ihren Aquarien leider allzu häufig geeignete Eiablageplätze fehlen.

Damit ist bereits der wichtigste „Hebel“ benannt, den Du hast, um einer Legenot vorzubeugen: Die Optimierung der Legebedingungen. Allerdings können auch organische Ursachen zu einer Legenot führen — ja sogar zu niedrige Haltungstemperaturen können Legenot befördern. Junge Weibchen bei der ersten Eiablage trifft es häufiger, beispielsweise wenn die Eier „zu groß“ sind für die Körperpassage. Du solltest daher niemals zu junge Tiere verpaaren.

Auch Deformationen der Eier oder zu weiche, aber auch zu harte Eier können dazu führen, dass das Weibchen diese nicht aus ihrem Körper gepresst bekommt.

Achtung: Manche Reptilienhalter sehen sich völlig unvorbereitet mit einer Legenot konfrontiert. Sie halten ausschließlich Weibchen und denken daher nicht darüber nach, dass „Eier“ ein Thema sein könnten. Doch auch einzeln gehaltene Weibchen können (dann allerdings unbefruchtete) Eier legen! Finden sie keine geeigneten Bedingungen vor, besteht daher auch für sie die Gefahr einer Legenot!

ZooMo empfiehlt

ZooMo rät:

Als Terrarienbesitzer beobachtest Du deine Tiere täglich. Selbst wenn Du ausschließlich Weibchen hältst, achte stets auch auf mögliche Anzeichen einer (drohenden) Legenot!

Weibliche Python mit Eiern
Geschafft! Diese Python hat ein Gelege geschaffen, auf das jeder Halter stolz wäre…
Foto: Tropicario, Finnland (J. Lanki) – Lizenz CC BY SA

Doch wie erkennst Du eine (beginnende) Legenot?

Symptome einer drohenden Legenot erkennen

Eine Legenot läuft meist über mehrere Phasen ab. Das Gemeine dabei: Nach einer Phase mit ersten Anzeichen folgt oft eine zweite Phase scheinbarer Erholung. Leicht kann man sich hierdurch in die Irre führen lassen, weshalb es gilt, ein wirklich sehr genaues Auge auf (möglicherweise) trächtige Weibchen zu haben!

Symptome der 1. Phase:

  • Erhöhte Aktivität und merkliche Unruhe (dein Tier sucht nach Ablagemöglichkeiten für seine Eier)
  • Grabungsversuche an verschiedenen Stellen
  • Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung
  • Manchmal treten auch Pressbewegungen und/oder eine angespannte Bauchdecke auf

Symptome der 2. Phase:

  • Sehr häuft Rückkehr zu normalem Verhalten
  • Appetit kehrt ebenfalls häufig zurück
  • Schildkröten zeigen mitunter eine Hinterhandschwäche mit Schonbewegungen der hinteren Extremitäten

Symptome der 3. Phase:

  • Starke Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes, Bewegungsunlust, Lethargie
  • Blasse Haut, eingefallene Augen, dein Tier wirkt nun deutlich krank
  • Nahrungsverweigerung, Gewichtsverlust
  • Angespannte Bauchdecke und/oder aufgeblähter Unterbauch
  • Oft krampfartige Bewegungen und Schonhaltungen
  • Übelriechender Ausfluss (deutet auf beginnende Sepsis hin)
  • Eventuell Auswürgen von Nahrung
  • Eventuell werden gelegt, jedoch nicht vergraben, sondern wahllos im Gehege verteilt. Missdeute dies nicht als „Entwarnung, denn oft bleiben in diesem Fall noch Eier im Eileiter zurück!

Symptome der 4. Phase:

  • Tod durch Sepsis, allgemeine Entkräftung, Dehydratation und/oder Nierenversagen

Juhu, Baby-Alarm!

Sind alle Hürden erfolgreich umschifft und dein Weibchen hat alle seine Eier abgelegt, dann möchtest Du sie eventuell inkubieren, um den Nachwuchs-Erfolg zu sichern. Doch auch hierbei heißt es Vorsicht!

Denn wie bereits eingangs beschrieben dürfen Reptilieneier möglichst nicht bewegt werden. Auf gar keinen Fall dürfen sie gedreht werden! Grabe also die Eier sehr behutsam aus. Für das vorsichtige Freilegen des Geleges kann ein Pinsel, wie er bei archäologischen Ausgrabungen verwendet wird, sehr hilfreich sein. Liegen die Eier frei, markierst Du mit einem Stift vorsichtig die Oberseite und den Querschnitt in genau der Position, wie sie abgelegt wurden. Durch diese Markierungen hast Du beim Überführen in den Inkubator und dem Positionieren darin die Sicherheit, die Originallage der Eier nicht zu verändern.

Was darf es sein: Männlein oder Weiblein?

Nun geht es an die Inkubation. Dabei hast Du die Qual der Wahl: Denn bei vielen Arten wird das Geschlecht über die Inkubationstemperatur festgelegt. Bei Leopardgeckos beispielsweise erhält man bei einer Bebrütung bei ca. 26 °C mehr weiblichen Nachwuchs, bei Temperaturen um 28 °C mehr Männchen. Bei vielen Schildkrötenarten verhält es sich dagegen umgekehrt, dort schlüpfen bei höheren Temperaturen mehr weibliche Tiere. Wähle daher die Inkubatortemperatur mit Bedacht entsprechend den speziellen Ansprüchen deiner Reptilien-Art.

Und noch etwas ist zu bedenken: Je höher Du die Temperatur wählst, umso schneller schlüpfen die Jungtiere. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Anzahl der Missbildungen bei höheren Temperaturen. Geduld ist also auch hier eine Tugend…

Die gewonnene Zeit kannst Du nutzen, um schon einmal zu überlegen bzw. zu organisieren, wo „Dein schuppiger Nachwuchs“ später einmal leben soll.

Schlangebaby schlüpt aus seinem Ei
Dieses kleine Schlangenbaby hat den größten Teil der Schlupf-Arbeit schon hinter sich.
Foto: Sipa via Pixabay

Fun Fact: Mehr Eier dank Corona

Apropos Nachwuchs und Legeprobleme: Wie viele andere Wildtiere leiden weltweit auch viele Reptilienarten unter dem Problem schwindenden Lebensraumes insbesondere was die Möglichkeiten der Eiablage angeht. Und ohne Eiablage kein Nachwuchs.

Doch während das Corona-Virus den Menschen global zu schaffen machte, profitierten Wildtiere weltweit von der Pandemie. Dies gilt insbesondere für viele Schildkrötenarten, wie beispielsweise die gefährdete Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Die Weibchen dieser Art kehren alle zwei bis drei Jahre an den Strand zurück, an dem sie selbst einst geschlüpft sind, um dort nun ihrerseits Eier abzulegen.

Forscher in Florida und Thailand konnten nun zur letztjährigen Nistzeit deutlich mehr Nester von Lederschildkröten dokumentieren. In Thailand waren es laut Berichten so viele Gelege wie seit 20 Jahren nicht mehr! Und selbst von biologischen Stationen am Mittelmeer las man ähnliches. Dort hatte die Echte Karettschildkröte (Caretta caretta) letztes Jahr mehr Eier gelegt.

Der Grund dafür ist die geringere Lärmverschmutzung, die vom Menschen in der Coronazeit ausging. Weniger Schiffsverkehr, Öl- und Gasförderungen sowie Fischerei und touristenfreie Strände wirkten sich sehr positiv aus. Denn zum Nisten brauchen die Reptilien vor allem eins – Ruhe.

Frisch geschlüpftes Meeresschildkröten-Baby
Für diese kleine Lederschildkröte beginnt nun der gefährliche Weg ins Meer.
Foto: Jolo Diaz via Pexels

Kopfbild: Schlüpfender Gecko. Foto: Andy Holmes via Unsplash

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