Europäischer Braunbrustigel

Der Igel — das stille Leid in unseren Gärten

Heute — am 2.2. — ist der offizielle „Tag des Igels“. Das verwundert auf den ersten Blick, schließlich liegen gesunde Igel um diese Jahreszeit versteckt im tiefen Winterschlaf, erst im April, wenn auch Nachts die Temperaturen nicht mehr unter 10° C fallen, ist es für sie Zeit, „aufzuwachen“!

Leider aber scheint die eigentlich unpassende Terminierung des „Gedenktages“ zunehmend sinnvoll zu werden. Denn wie alle Insektenfresser, so finden sich auch unsere kleinen, stacheligen Gartenkobolde seit einigen Jahren in einer dramatisch schlechten Lage. Sie leiden furchtbar und mit jedem Jahr nimmt das Leid weiter zu.

So kommt es, dass tatsächlich jetzt schon — im Februar — wieder Igel zu sehen sind. Dies sind Tiere, die bereits unterernährt und leidend in den Winterschlaf gegangen sind und die nun aufwachen, weil „ihre Vorräte“, ihre Kraft vorzeitig zur Neige gegangen ist. Solche Tiere, die jetzt gefunden werden, sind i.d.R. schwer krank und benötigen dann fachkundige Hilfe durch erfahrene „Igelpäppler“!

Aber woran genau liegt es, dass unser ehemals beliebtestes, bodengebundenes Gartentier so leidet?

Die aussterbende Gartenkultur

Lange Zeit profitierten die Igel von unserer schönen Gartenkultur: Die Gärten waren umsäumt von Büschen und einigen Bäumen, die für Privatsphäre sorgten, wenn man an lauen Sommerabenden auf der Terrasse saß. In den Büschen flatterten Singvögel, pickten sich noch einige Vogelbeeren, Efeubeeren oder stibitzten letzte Körnchen aus einem hübschen Vogelhäuschen und sangen dazu den Abendgruß. Kaum verstummte die Amsel, übernahmen die ersten Fledermäuse den Flugraum über der Terrasse und sorgten dafür, dass die Mücken nicht allzu aufdringlich wurden. Und während sich zwischen den Büschen die Glühwürmchen versammelten, begann darunter die Raschelei der kleinen Stachelritter, die sich durch das Laub unter den Büschen wühlten und sich dort Käfer und Engerlinge wegsammelten.

Ja sogar schlecht versteckte Mäuse- oder gar Rattennester plünderten die Igel. Daher freute sich eigentlich jeder Gartenbesitzer über diese „vierbeinigen Helferlein“. Tatsächlich war unser heimische Braunbrust-Igel in Gärten und Parks stärker verbreitet als auf dem Land, wo die immer weiter intensivierte Landwirtschaft das Überleben der Stacheltiere immer mehr erschwerte: Immer weniger wurden die Knicks zwischen den Feldern mit ihren Buschstreifen, in denen Igel ursprünglich ihren idealen Lebensraum hatten.

Untersuchungen zeigen deutlich diesen Trend zugunsten der Gärten. So lag in letzten Erhebungen die Besiedlungsdichte in Städten höher als in landwirtschaftlich genutzter Landschaft. Mittlerweile finden sich Igel sogar in reichlich unwirtlicher Umgebung in Innenstädten.

Fehlende Nahrung, fehlender Lebensraum, fehlende Verstecke

Doch seit einigen Jahren kommen unsere Igel auch in Gärten und Parks kaum noch über die Runden. Der Grund liegt vor allem im mangelnden Futterangebot. Denn Igel sind hochgradig spezialisierte Insektenfresser. Durchschnittlich 3 km wandert er pro Nacht auf der Suche nach nachtaktiven Laufkäfern, Käferlarven und Raupen. Doch diese Insekten gibt es kaum noch:

Die Zahl der Insekten in Deutschland ist nicht nur zurückgegangen, sie ist regelrecht eingebrochen: Dreiviertel aller Fluginsekten ist im Verlauf von nicht einmal dreißig Jahren verschwunden, so dass schockierende Ergebnis einer der relevantesten Studien zum Thema: In nur 27 Jahren nahm die Gesamtmasse der gezählten Insekten um 76 Prozent ab, berichten Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden im Fachmagazin „PLOS ONE“ im Oktober 2017.

Quelle: https://www.br.de/rote-liste/insekten-insektensterben-insektenschwund-bienen-schmetterlinge-grillen-kaefer-100.html

In seiner Not weicht der Igel auf „Ersatznahrung“ aus, Schnecken und Regenwürmer beispielsweise. Doch leider macht diese Notnahrung Igel krank, denn Schnecken und Regenwürmer übertragen gefährliche Parasiten. Parasiten an sich sind nichts schlimmes für Igel — jedes Wildtier trägt Parasiten an und in sich und so ist es auch beim Igel. In der Regel sind Parasit und Wirtstier in der Natur sehr gut aneinander angepasst (viele Igelparasiten können nicht ohne Igel leben!) uns so kommt ein gesundes Tier mit starkem Immunsystem auch meist gut zurecht damit.

Denn obwohl Igel ihren Energiebedarf (in gesunder Landschaft) zu über 90 % aus Insekten bezogen und nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz aus Schnecken (1 %) und Regenwürmern (8 % )[1], lag der Anteil letzterer in Phasen, wo die Käfer noch nicht oder nicht mehr so verfügbar sind — also im Frühjahr und Spätherbst — auch schon früher höher. Allerdings: Durch den Einbruch der Insektenzahl fehlt dem Igel nun seine Grundnahrung und er muss notgedrungen mehr und mehr auf ungesunde Notnahrung ausweichen. Die Folgen sind dramatisch:

Todkranker Igel
Schau nicht weg! So sieht ein todkranker Igelaus: Er besteht nur noch aus Haut & Knochen, sein Hals ist dünn (ein gesunder Igel hat praktisch keinen Hals), er geht hochbeinig (Symptom massiver Darmentzündungen) und seine Augen sind nur noch Schlitze. Igel werden erst ganz kurz vorm Sterben tagaktiv, da sie tagsüber einfache Beute von Vögeln sowie Fliegen sind, die ihre Eier auf die sterbenskranken Tiere legen. Die schlüpfenden Maden wandern über Körperöffnungen in die Igel ein und töten diese von innen und außen. Ein solches Tier hat nur noch eine Chance, wenn es sofort in erfahrene Hände gelangt. Foto: Erik Karts via pixabay

Unterernährt, fehlernährt, massiver Eintrag von Parasiten

Denn durch das vermehrte Fressen von „schlechter“ Nahrung wie Schnecken und Regenwürmern (aber auch Abfall), leiden die Tiere neben der reinen Unterernährung auch noch an einer Fehlernährung, bei der wichtige Stoffe fehlen (z. B. wirkt das Chitin der Käfer im Darm bei der Verdauung als natürliches „Medikament“ gegen Parasiten) — und zudem wandern mit jedem weiteren Bissen mehr und mehr Parasiten in den Igel und stoßen hier auf ein bereits durch den schlechten Ernährungszustand geschwächtes Immunsystem.

Dieses kann mit einem solchen Eintrag nicht mehr klarkommen. So leiden die meisten Tiere zunehmend unter Überparasitierungen, sie bekommen nur noch sehr schwer Luft und/oder leiden unter fatalen Darmentzündungen. Hinzu kommt ein sich in Deutschland erst seit einigen Jahren verbreitender „neuer“ Parasit, der von Schnecken übertragen wird und den Igeln schwer zusetzt, der sogenannte Darm-Saugwurm (Brachylaemus erinacei).

Dabei ist der Insektenmangel Menschen-gemacht: Immer „ärmer“ werden unsere Gärten. Weniger Büsche, weniger Bäume, exotische Pflanzen und gefüllte Blüten, die keinen Nektar produzieren: Das bedeutet in direkter Folge auch weniger Insekten. Denn jeder Schmetterling braucht (als Raupe) eine für ihn fressbare Futterpflanze. Jeder Käfer ein Gebüsch, etwas Totholz und eine Laubschicht, in der er sich verkriechen und vermehren kann. Und auch unser Igel braucht einen Unterschlupf, ein unberührtes Fleckchen in einer „unaufgeräumten“ Ecke des Gartens, in der er es unter Laub und Ästen zwischen Oktober und April ungestört seinen Winterschlaf verbringen kann. Wo soll er dies finden, wenn immer mehr Gärten zunehmend „nackter“ werden, eintönig und frei von natürlichen Strukturen, und wenn dann auch oft noch absolut tödliche Gartengeräte wie Rasenmäher-Roboter, Sichelschneider und Laubsauger oder -bläser zum Einsatz kommen?

Die Gartenkultur hat sich gewandelt, wo früher die Naturoase genossen wurde mit Vogelgesang, Bienensummen und eben auch dem Rascheln in Sträuchern, steht heute ein „Funktionsort“ im Vordergrund — weniger ein Garten, vielmehr eine vergrößerte Terrasse oder ein grün angehauchter Bereich, der eher eine Art offener Wintergarten darstellt, denn ein Stück lebendige Natur.

Ganze Populationen bedroht

Und so stellen nicht nur Studien einen enormen Rückgang der Igel-Populationen in Deutschland fest, als Folge sinkt wenig überraschend auch die durchschnittliche Lebenserwartung der Tiere. Obwohl ein Igel in der Natur normalerweise rund 7 Jahre alt werden kann — und sogar schon 16 Jahre alte Igel gefunden wurden[2], zeigen aktuelle Untersuchungen eine durchschnittliche Lebenserwartung von unter zwei Jahren beim heimischen Braunbrustigel (Daten für Dänemark, selbe Quelle).

Hinzu kommt eine hohe Todesrate bei den Babys — bereits Daten von 1977, also einer noch „guten Zeit“ für Igel, zeigten, dass durchschnittlich 20% der Welpen starben, noch bevor sie im Alter von ca. einem Monat ihr Wurfnest verlassen, 70% starben binnen ihres ersten Lebensjahres[2]. Beides zusammen führt dazu, dass mittlerweile ganze Populationen zusammenbrechen.

Dies zeigt sich auch im Alltag von Igelstationen. Anders als in anderen Ländern, gibt es in Deutschland praktisch keinerlei staatliche Strukturen für die Versorgung von Wildtieren. Die Wildtierhilfe liegt damit praktisch allein auf den Schultern von Privatleuten, die viel Zeit (und Geld) aufbringen, um den notleidenden Tieren zu helfen. Seit 2-3 Jahren sehen sich Igelhilfen jedoch einer wahren Flut von Zugängen gegenüber und neben der immer stärker zunehmenden Zahl an Notfällen ist auch der Zustand der abgegebenen Tiere immer dramatischer.

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Handfütterung von Igelbaby „Leo“: Leos Mutter wurde vermutlich überfahren, er irrte an der Landstraße herum und fand glücklicherweise den Weg in die Igelstation der Autorin. Da Leo in diesem Alter noch in Abständen von 2-3 h gefüttert werden musste, durfte er auch mit ins ZooMonster-Büro, wo ihm seine Milch sichtbar schmeckte.

Von diesen Daten ausgehend sind wir dabei, unsere „Ritter der Nacht“ über kurz oder lang in vielen Gebieten ganz zu verlieren. Und lassen wir dies zu, dann kann es für die Stachelkobolde zu spät sein, auch wenn es uns — hoffentlich! — gelingt, unsere Natur wieder zu verbessern. Ausgestorbene Arten wieder anzusiedeln ist sehr schwierig…

So hilfst Du den netten Gartenkobolden

Igel mit Trockenfutter
Igel mit Trockenfutter, Foto: „Alexas_Fotos“ via pixabay

Was also kannst Du tun, um die wunderbaren kleinen Kerlchen zu schützen? Eigentlich ist es ganz einfach: Genau wie Vogelfreunde schon seit langem gemerkt haben, dass unsere Singvögel Hilfestellungen benötigen, indem man ihnen mit Nisthilfen und gesunder Zufütterung unter ihre Flügel greift, so kann auch den Igeln geholfen werden, indem man ihnen einen Lebensraum bietet — und zumindest in kargen Zeiten auch gesunde Nahrung.

Für eine gesunde Zufütterung ist am besten geeignet hochwertiges Katzenfutter, es sollte unbedingt getreidefrei sein und der Fleischanteil hoch, mindestens 60%. Denn angepasst an ihre insektenlastige Ernährungsweise besitzen Igel einen extrem kurzen und wenig geschlängelten Darm. Daher sind sie auf ein Nahrungsangebot angewiesen, dass praktisch vollständig aus Protein besteht. Getreide oder insgesamt pflanzliche Nahrung oder gar Nüsse können sie nicht verdauen und bekommen eher Bauchschmerzen davon. Irritierenderweise sind darum auch praktisch alle als „Igel-Spezialfutter“ titulierten Futtermischungen völlig ungeeignet für Igel. Das Geld kann man sich getrost sparen!

Genau wie beim Vögel füttern, sollte auch der Igel-Futterplatz immer gut sauber gehalten werden. Wer sicher gehen möchte, das sich wirklich nur Herr und Frau Igel bedienen (können), nutzt ein Igel-Futterhaus. Die gibt es sogar mit durchsichtiger Front zu kaufen, wenn man dann noch eine Nachtsicht-fähige Wildtierkamera aufstellt, hat man ein eigenes Natur-Fernsehprogramm!

Durch eine Zufütterung kannst Du verhindern, dass „deine“ Igel zu viel schlechtes Futter in Form von Schnecken und Würmern fressen. Du verhinderst fatale Unterernährung und unterstützt damit das Immunsystem, so dass die Tiere auch dann besser zurecht kommen, wenn sie nebenbei noch Schnecken und Würmer fressen. In der Babyzeit, die normalerweise im August liegt, wegen der warmen Phasen in den Frühjahren aber zuletzt oft weit nach vorn gezogen war), hilft die Zufütterung den Muttertieren, ihre Babys ausreichend zu versorgen.

ZooMo empfiehlt

ZooMo meint:

Wusstest Du, dass Igelmütter wahre Super-Mamas sind? Wenn sie es können, säugen sie ihre Babys bis diese rund 300 g schwer sind! Leider schafft dies kaum noch eine Igelmutter in freier Wildbahn und viele zehren sich bei der Babypflege so auf, dass sie sterben, bevor die Babys allein lebensfähig sind oder kurz danach.

Ebenso wichtig wie Futter sind zuverlässige Wasserstellen. Am schönsten ist es natürlich, wenn es einen Gartenteich gibt: Hiervon profitieren in unseren zunehmend heißen und trockenen Sommern nicht nur viele Tiere (bitte an Ausstiegshilfen denken): Teiche sorgen für ein stark verbessertes Mikroklima rundum und so wirken sie auch für uns Menschen dank erhöhter Luftfeuchtigkeit und hierdurch auch verringerter Staubbelastung gesundheitsfördernd.

Käferkeller, Igelhaus & „Igel-Schnellstraße“

Igel-Wohnhaus
Igel-Wohnhaus, Foto: „Alexas_Fotos“ via pixabay

Um mehr Insekten einen (Über-)Lebensraum zu geben, kannst Du auch Käferkeller anlegen. Das ist im Grunde einfach eine kleine Grube, möglichst unter einem Gebüsch angelegt, die man mit Totholz füllt. Hier finden Käfer und andere Insekten eine Rückzugsmöglichkeit und einen Ort für ihre Kinderstube. Der Bau ist ganz einfach: Man gräbt ein Loch (bis zu 50 cm tief mit möglichst nicht zu steilen Wänden) und füllt es mit allerhand Totholz. Das sollte allerdings von heimischen Baum- und Buscharten stammen, da Holz von exotischen Bäumen oft „unverdaulich“ ist für unsere heimische Fauna. Hier findest Du eine tolle Anleitung.

Und natürlich kannst Du deinen Stachelkobolden auch ein Wohnhaus anbieten. Solche Wohnhäuser sollten — wenn sie auch zum Winterschlaf dienen sollen, rund 30 cm hoch sein. Statt es fertig zu kaufen, lässt sich auch solch ein Haus leicht selbst werkeln, z.B. mit dieser Anleitung hier: https://physalia.de/Download/Igel-Wohnhausbau.pdf

Damit die knopfäugigen Raschelkönige auf ihrer nächtlichen Futtersuche auch ausreichend weit wandern können, um satt zu werden, lasse ihnen Durchschlupfe in deinem Zaun. Ein Loch von 10 x 10 cm reicht ihnen bereits aus, damit sie schnell von Garten zu Garten kommen. Im Stabzaun kannst Du dafür einfach unten einen Stab heraussägen (Achtung, keine scharfen Ecken entstehen lassen), bei Maschendraht reicht es meist, an einer Stelle zwei Backsteine unter zu klemmen, so dass zwischen ihnen ein Durchschlupf entsteht. Manche Leute bauen kleine Pforten/Tunnel aus Holz und verzieren sie als Tore, die igel-liebenden Briten haben sogar ganzes Projekt für „Igel-Straßen“, die „Hedgehog Street“.

Wenn Du dann noch den einen oder anderen Gartenbesitzer im Umfeld dazu verführen kannst, auch seinen Garten Igelfreundlich zu gestalten, ziehen vielleicht auch in deiner Nachbarschaft wieder Igel ein — und mit ihnen echte Gartenkultur!

Foto: „susanne906“ via Pixabay

Quellen

[1] https://www.wildlifeonline.me.uk/assets/ugc/images/hedgehog_diet_composition_charts.png

[2] Dr. Sophie Lund Rasmussen, „The Danish Hedgehog Project“: 390 untersuchte Igel (Straßenverkehrsopfer & sonstige Totfunde), Durchschnittsalter 1,82 Jahre, Alters-Range: 0-16 Jahre, neun Individuen 9 Jahre und älter. Quelle: Vortrag auf dem Kongress „First International Scientific Conference for Rehabilitators of European Hedgehogs“ in Dänemark, September 2020.

[3] Pat Morris 1977 im „Journal of Zoology“, berechnet auf Basis von 76 mütterlichen Nester. Quelle: https://www.wildlifeonline.me.uk/animals/article/european-hedgehog-mortality-introduction

Leo zu Gast bei ZooMo

Kopfbild: Alexas_Fotos via Pixabay.de

28 Gedanken zu „Der Igel — das stille Leid in unseren Gärten

  1. Aufmerksam habe ich alle gelesen und habe einiges gelernt. Wenn diesjahr die Igel wieder im Garten auftauchen, erhalten sie hochwertigeres Futter. Auch werde ich noch einiges übernehmen, um ihnen das Leben zu erleichtern. 2020 waren regelmäßig 3 große und im Herbst
    2 kleine Igel jeden ab zum Fressen im Garten. Es sind so wunderschöne Tierchen.
    Die Gärten des Grauens sollten generell verboten werden.

  2. Habe den Igel eingeweichtes Trockenfutter angeboten, was sie auch gerne gefressenen haben. Katzenfutter ohne Getreide gekauft wurde aber nicht angenommen.Es wäre sehr nett von ihnen wenn sie vielleicht einige Marken nennen könnten, damit ich es im Frühjahr wieder probieren könnte. Ein Igel ist in ein Schlafhaus eingezogen ( von Nabu )und hoffe das er noch drin ist. Noch ein großes Brett drüber gelegt, damit es rundherum trocken bleibt und nicht Nass wird. Danke für den tollen Beitrag, denn ich habe nur einen sehr kleinen Garten.

    1. Nach meiner allerersten, bescheidenen Erfahrung kann ich berichten, dass nicht jeder Igel jedes angebotene Futter mag:
      während der eine gekochtes Hühnerklein verschmähte, war der andere ganz wild drauf. Igel Nr. 1 hat alles gefressen während Igel Nr. 2 sogar das hochwertige Katzenfutter mit optimaler Zusammensetzung einfach stehen ließ.
      Eine Marke zu nennen ist glaub ich schwierig. Wichtig ist die Zusammensetzung des Futters.

    2. Ich füttere seid mehreren Jahren getrocknete Mehlwürmer an meine Igel im Garten. Sehr nahrhaft und werden geradezu verschlungen.

      1. Wie toll, dass Igel bei dir eine sichere Quelle für Zusatzfutter finden. Bitte beachte bei der Fütterung von Mehlwürmern:

        Bei einer Fütterung mit einem vorrangigen oder auch nur hohen Anteil von Mehlwürmern entwickeln Igel manchmal Lähmungserscheinungen in den Beinen. Die Ursache für dieses Syndrom ist noch nicht ganz geklärt (früher wurde eine Vitamin B-Zehrung vermutet durch vermehrten Vitamin B-Verbrauch bei der Verstoffwechslung von Mehlwürmern, mittlerweile gibt es Vermutungen zu bestimmten „Inhaltsstoffen“ von Mehlwürmern — Quelle: Vortrag Dipl.-Vet.-Med. Carsten Schiller, Pro-Igel-Kongress 2019). Dieses Lähmungssyndrom kann sowohl durch lebende, als auch durch getrocknete Mehlwürmer ausgelöst werden.

        Wenn Du nur in Maßen Mehlwürmer zufütterst, sollte das kein Problem darstellen. Sind Deine Igel aber hungriger und haben einen höheren Zufütterungsbedarf, wäre es gut, wenn Du hochwertiges Katzenfutter oder auch gern mal schlotziges Rührei anbieten könntest. Die Mehlwürmer sind dann ein leckeres Topping…

  3. Wie traurig! Meine erste Amtshandlung im März in meinem Garten wird sein: einen Käferkeller anlegen. Noch bevor ich das Hochbeet bepflanze. Wir müssen den Tieren helfen, WIR sind verantwortlich für deren Untergang!

  4. Ich habe letztes Jahr auch Igel durchgehend gefüttert, teils mit Nachtkamera überwacht. Meine Kinder haben hierfür Futterhäuser gebaut. Auch hatte ich ber. Igelkinder im Wintergarten betreut. Ich hoffe, dass viele Leute diesen Artikel lesen u. auch weiter verbreiten. Helft alle mit, diese goldigen stacheligen Tierchen aufmerksam zu verfolgen, zu füttern etc.

  5. Vielen Dank für den tollen Artikel!
    Nachdem ich leider keinen Garten habe, waren Igel für mich nie Thema. Aber im Dezember sind mir zwischen dem 20. und 31. ganze DREI Igel über den Weg gelaufen: am hellichten Tag und alle drei nicht viel schwerer als ein Päckchen Butter.
    Mit Hilfe der ehrenamtlichen Igelhilfe hier in unserer Stadt wurden alle 3 medizinisch versorgt und aufgepäppelt, 2 sind schon im Winterschlaf und einer wird hier bei mir noch gegen Parasiten behandelt, bevor auch er sein Winterquartier beziehen kann.
    Ich halte auf alle Fälle ab jetzt die Augen offen!

  6. Der Artikel müsste allen Park-Eigentümern und Gärtnern zugestellt werden.
    Bedachtlos wird gerodet, um Parkplätze zu erstellen. Letzte kleine Grünflächen werden zugekiest für noch ein Autoplatz. Gebüsch wird abgeschnitten ohne Sinn, um „Ordnung“ zu machen.
    Die schönen Tannen vor dem „ParkStift“ wurden umgeschlagen um nochmal 3 Parkplätze zu zu betonieren. Freunde, helft mit dass noch etwas Natur bleibt.

  7. Toller Bericht mit vielen, auch traurigen Wahrheiten. Chapeau!
    Versorge selbst bereits seit über 10 Jahren Igel und kann direkt Vorort beobachten, wie sehr sich das komplette Umfeld auch hier auf dem Land zum Nachteil von Natur und Wildtieren entwickelt.
    Einiges über Igel und auch meine Arbeit mit und für die Stachelnasen findet man auf meinem Blog:
    Igeline + Co
    http://aisleng.blogspot.com/2020/12/update-igel-notfalle-teil-ii.html
    Hoffe, ich kann den Beitrag verlinken 🙂

  8. Habe eine Igelmama mit ihren vier Igelkindern bis in den Herbst hinein gefüttert (Katzennass- und Trockenfutter, Rührei), zudem noch zwei weitere Igel. Habe vier Igelhäuser aufgestellt, drei sind belegt. Bin sehr gespannt, ob ich meine Igelfamilie im Frühjahr wieder sehen werde. Habe einen „naturnahen“ Garten: Bäume, Sträucher, Tannen und freue mich schon auf den Frühling. Vielen Dank für den interessanten Bericht.

    1. Mein Garten sollte eigentlich ein Igel Paradies sein. Am Wald gelegen, Bäume und Büsche, Brombeerhecken, Totholz…. alles da. Massenhaft Vögel, Insekten, Fledermäuse… nur Igel sehe ich fast nie. Wie kommt das?

      1. Tatsächlich sind Igel KEINE Waldtiere. Das Bild, das von Igeln herrscht, ist leider durch die Darstellung in vielen (Kinder-)Büchern, auf Bildern und Dekoelementen sehr verfälscht. Im Wald leben die Haupt-Igel-Jäger, also die größten Feinde für Igel, nämlich der Dachs und der Uhu. Für diese beiden Arten steht der Igel auf dem Haupt-Speiseplan.
        Umgekehrt findet sich die Hauptnahrung der Igel wiederum eher in krautigem Unterholz, nicht unter Bäumen. Igel sind deshalb Bewohner offenerer Landschaften, sie wohnen unter Buschwerk und stöbern unter Büschen und auf (wilden) Wiesen. Der Waldrand sollte allerdings ein sehr geeigneter Lebensraum sein. Wenn man dennoch keine Igel bemerkt, dann kann es daran liegen, dass sie sehr versteckt leben — so lange es ihnen gut geht — und den Menschen meiden. Meine Garten-Igel verbergen sich auch sehr, sehr gut vor mir. Es gib Zeiten, da dachte ich, es gäbe keine mehr im Garten, bis mich die Wildtierkamera eines Besseren belehrte. Dann wieder war das Futterhaus sehr gefragt und ich hörte die Stachler auch wieder bei meinen nächtlichen Kontrollgängen.
        Es kann auch mitunter sogar ein gutes Zeichen sein, wenn man keine Igel bemerkt, gerade wie die Gegend „paradiesisch“ ist.

  9. Genialer Bericht! Das ist der erste wirklich gute Bericht zum Thema Igel, den ich in den letzten 20 Jahren, also solange ich meine Igelstation betreibe, gelesen habe. Der Bericht hätte auch von mir sein können. Ich meine, inhaltsmäßig. Auch ich bin der Meinung, dass wir den Igel nur retten können, wenn wir im Garten eine katzensichere Futterstelle einrichten, um ihn dort mit hochwertigem Katzenfeuchtfutter und/oder Rührei von Frühjahr bis Herbst zuzufüttern. Jeder, der was anderes empfiehlt ist ein Schreibtischtäter, der keine Ahnung hat, wie kaputt die Welt der Igel mittlerweile ist. Die Tiere werden in immer elenderen Zustand abgegeben. Immer häufiger werden auch Igel mit neurologischen Ausfallerscheinungen abgegeben. Wenn die Politik nicht endlich aufhört weiterhin das zügellose Profitstreben der Bauern zu unterstützen anstatt endlich wirkungsvolle und verpflichtende Maßnahmen gegen das Insektensterben zu treffen, bin ich der Meinung, dass der Igel in spätestens 10 Jahren aussterben wird. Sicher ist es auch wichtig in Gärten, Parks und Grünanlagen Hecken mit einheimischen Gehölzen und Blühwiesen anzulegen, aber das allein wird unsere Igel nicht retten, sondern nur eine andere Form der Landwirtschaft. Die wiederum nur mit einer Andersverteilung der Subventionen erreicht werden kann. Nur die Bauern, die naturverträglich und nachhaltig wirtschaften, sollen unsere Steuergelder bekommen. Diese Subventionsverteilung nach dem Gießkannenprinzip muss aufhören, denn genau die sind die Naturzerstörer und vernichten unsere Wildtiere wie den Igel. Das einzige, was ich in dem Bericht vermisse, ist die Warnung vor dem Einsatz von motorbetriebenen Sensen und Mährobotern. Denn die Anwendung dieser Geräte hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen und als Folge auch schwer verletzte Igel und zwar so schwer, dass für die meisten Euthansie eine Erlösung ist. Am besten auf den Einsatz dieser Geräte verzichten, oder, falls unbedingt nötig, vor der Anwendung unter Sträuchern, überhängenden Zweigen und im hohen Gras nachschauen, ob dort nicht ein Igel darin seinen Tagschlaf hält und aus der Gefahrenlage entfernen oder besser dort erst gar nicht zu mähen. Ansonsten wirklich ein sehr empfehlenswerter Bericht. Vielen Dank dafür!

  10. Das war der beste Igelbericht den ich seit Jahren gelesen habe.
    Bin selbst seit mehr als 50 Jahren Igelhelferin und mache viel Öffentlichkeitsarbeit bes. im zusammenhang mit Naturschutz. Rein kurative Igelhilfe ist nicht ausreichend. dieser Bericht war umfassend und sollte weite Verbreitung finden. gut gemacht! Ich teile eifrig.

    1. Vielen lieben Dank für dieses Lob, das mir viel bedeutet.
      Ich denke, es gibt in Deutschland niemanden, der sich besser mit Igeln auskennt, als Sie! Die gesamte Igelhilfe in diesem Land baut auf Ihrem Wissen und Ihren Erfahrungen auf!

  11. Ich habe letzten Herbst 4 kleine mit der Mutter im Garten versorgt.
    Täglich Rührei. Das liebten sie. Und hochwertiges Baby-Katzenfutter. Es wurde alles verschlungen. Aber am liebsten das Rührei 🙂

  12. Und mein Mann hat 4 Igel-Winterhäuschen und ein Futterhaus gebaut. Die haben wir im Garten verteilt. Bin mal gespannt, welche genutzt wurden. Bis jetzt haben wir noch nicht nachgeschaut. Damit sie in Ruhe schlafen können.

  13. Danke für diesen aufschlussreichen Artikel! Wir füttern schon seit einigen Jahren in unserem Reihenhausgarten Igel, meist sind es drei , die bislang sehr gerne Katzenfutter, Meisenknödel (handgemachte) oder auch angemischtes Igelfutter mit Larven gefressen haben. Jetzt lese ich immer Rührei, und muss mal ganz dämlich fragen, damit ist doch verquirltes rohes Ei gemeint, nicht die Bratvariante? Wir haben einen zwar kleinen , aber insektenfreundlichen Garten und auch viele Käfer, im Sommer hören wir oft Igel rascheln, ab und an guckt auch mal einer nach, was wir so treiben, aber weder unsere Nachbarn noch wir haben bislang herausbekommen, wo die Igel überwintern. Ich finds aber ganz grossartig, wie viele Igelfreunde und -helfer es gibt, danke an alle!

    1. Hallo Andrea,

      wie schön, dass Du deinen Igeln mit Zufütterung hilfst! Bitte lasse aber die Meisenknödel weg, damit verursachst Du deinen Garten-Igeln nur Probleme. Igel sind von ihrem Darm her auf praktisch reine Proteinnahrung ausgerichtet, ihr Darm ist sehr kurz und kaum gewunden (Insekten bestehen praktisch rein aus leicht verfügbaren Proteinen = Eiweiß). Nahrung passiert diesen Darm dadurch extrem schnell, so dass nur praktisch „sofort verfügbare Nährstoffe“ (eben Proteine) aufgeschlossen und resorbiert werden können. Alles was erst im Darm aufgeschlossen werden muss (längerkettige Kohlenhydrate und Ballaststoffe) — kann nicht resorbiert werden. Und wenn nun auch noch reines Fett in das System gegeben wird über das Futter, so wird damit die Durchlaufgeschwindigkeit noch zusätzlich erhöht. Dann können selbst die schnell verfügbaren Nährstoffe nicht mehr vernünftig resorbiert/aufgenommen werden und der Igel verliert Nährstoffe und insbesondere auch Vitamine etc. aus seiner sonstig aufgenommenen (gesünderen) Nahrung, während die enthaltenen Nahrungsstoffe in den Knödeln ihm gar nix liefern. Also ein echter Verlust für die Tiere, auch wenn sie es nicht wissen, und es deshalb fressen.

      Rührei ist oft gern genommen und natürlich eiweißreich. Damit es gut verdaulich ist, sollte es mit nur wirklich ganz wenig gutem Öl (z.B. Sonnenblumen-Öl) und ganz sanft gebraten werden, so dass es noch gut „schlotzig“ ist. Also schon erhitzt, aber nicht fest oder gar kross gebraten, sondern ein noch sehr „wabbeliges“ Rührei. Der Grund liegt in der besseren Hygiene und es fällt den Igeln dann auch leichter, es zu fressen.

  14. Liebe Nicola Straub,
    vielen Dank für den tollen Bericht, der mir erst heute über Tierfreundin Karin Oehl, unsere Grande Dame der Igelpflege, zugegangen ist.
    Wie Verena Wendt vermisse ich lediglich Hinweise über den zunehmenden Einsatz elektrischer Gartengeräte (Mähroboter, Fadenmäher/Rasertrimmer, Tellersense u.v.m.), die verantwortlich sind für schwere bis schwerste Verletzungen bei Igeln bis hin zum Tod. Igelstationen und -pflegestellen sind weit über das übliche Maß gefüllt mit hilfsbedüftigen Igelpatienten, deren Rekonvaleszenz aufgrund der Schwere der Verletzungen oft Wochen dauert. Leider kann zunehmend häufiger nur Euthanasie die Erlösung sein… Täglich mit so viel Leid konfrontiert, sind die Betreiberinnen, die ausschließlich ehrenamtlich aktiv sind, viel Zeit und enorme Kosten aufbringen, physisch und psychisch oft an ihren Grenzen. Sehen und oft nicht helfen können, ist für sie der größte Schmerz.
    Grund genug für uns, die Tierfreunde Rhein-Erft, in Kooperation mit der Igelhilfe Rostock im Frühjahr d.J. die bundesweite Plakatkampagne „Igel im Fokus von Mähroboter, Fadenmäher, Tellersense & Co.“ gestartet zu haben, die sehr gut angelaufen ist und immer noch läuft.
    Hin- und nicht wegschauen, Flagge zeigen, mitmachen…
    Viele Infos:
    https://www.tierfreunde-rhein-erft.de/neues_igel.htm

    1. Hallo liebes Tierfreunde-Netzwerk!

      Ja, auch ich habe hier gerade einen Pflegling sitzen, der gleich an mehreren Stellen skalpiert wurde (er wurde offenbar mitgeschleift und dabei gedreht). Aus meinem täglichen Stationserleben stellen jedoch nach wie vor Freischneider, Fadentrimmer etc. zahlenmäßig die größere Gefahr. Noch — das Bild wandelt sich zunehmend. LEIDER!

      Weil ich den Link jetzt stehen lasse, ein Hinweis zu Eurem Infomaterial:
      So sehr ich „Erste-Schritte-Anleitungen“ mag, diese unsäglichen Gewichtstabellen MÜSSEN einfach verschwinden aus der Kommunikation!

      Ich habe hier gerade drei Jungs verloren, alle um die bzw. knapp über 600 g. Das Sichern kam für sie zu spät… Dass sie überhaupt einkassiert wurden, lag an ihrer Tagaktivität, denn alle „Ratgeber-Tabellen“ sprachen für „Laufen lassen, wenn über 600 g“. Und das IST SO HIMMELSCHREIEND FALSCH!

      Eine Finderin, die einen wirklich dürren Igel brachte, erzählte mir, sie könne das nicht einschätzen. Weder kann sie einschätzen, ob sie einen Jung- oder Altigel in der Hand hat, noch ob die Körperform so „richtig“ ist. Und genau so ist es leider, die Leute wissen nicht, wie ein „normaler Igel“ aussieht und was zu dünn ist.

      Ständig — wirklich immer wieder! — verlieren wir Tiere, weil sie — als erwachsene Männchen! — knapp über 600 g liegen und von den Findern nach dem Studium der diversen Ratgeber-Tabellen für „fit“ gehalten und wieder frei gesetzt werden.
      Ein erwachsener Igelmann hat aber mindestens ein Kilo, gut gebaut sogar mehr als 1,5 kg! Diesen Tieren fehlt mehr als die Hälfte ihres Körpergewichts!

      Ich bitte Euch INSTÄNDIG: WEG mit diesen TABELLEN. Macht eine Zeichnung der Körperform. Aber löscht diese todbringenden Tabellen! Danke!

      Herzlich, Nicola Straub

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